CAF. Wir in der CDU.
CAF. Wir in der CDU.
01:34 Uhr | 23.02.2012 StartseiteStartseiteKontaktKontaktImpressumImpressum
 

Selbstverständnis
Drucken

In die Bundesrepublik Deutschland kamen in den vergangenen Jahrzehnten Menschen mit unterschiedlichen religiösen, kulturellen und ethnischen Hintergründen, um hier unter besseren politischen und sozialen Voraussetzungen ein neues Leben zu beginnen.

Sie bildeten Gemeinschaften und führten ihre Traditionen und Bräuche fort, die sie auch zur Bewahrung ihrer Identität bildeten. Für die meisten Gemeinschaften bedeutet Identität Homogenität, Eindeutigkeit und Bestimmtheit. Diese Identitätskonzeption widerspricht jedoch unserem Verständnis von Integration und einer pluralen Gesellschaftsordnung, die keine identitätsausschließende, sondern identitätseinbindende Ordnung  verfolgt. Es bedarf daher eines Selbstverständnisses, das Identität als einen Entwurf interpretiert, welches sich aus der Erfahrung einer Diskontinuität, einer Differenz speist: eine Identität, die "mit und von der Differenz lebt“.

 
Die Einberufung des Integrationsgipfels, sowie die Deutsche Islam Konferenz unter der christdemokratisch geführten Bundesregierung konfrontierte die geladenen Teilnehmer der verschiedenen Gemeinschaften miteinander und offenbarte die zumeist konträren Gemeinschaftskonzeptionen. Es wurde sichtbar, dass es Gemeinschaften gibt, die das traditionelle, statische Identitätskonzept zugrunde legen, wie z.B. die türkische, aber auch solche, die ein dynamisches, diasporistisches Identitätsverständnis vorbringen, wie z.B. die armenische Gemeinschaft. Der Integrationsgipfel und die Deutsche Islam Konferenz offenbarten auch die bestehende Vielfältigkeit der Immigrierten und warf die Überlegungen bei uns auf, wie eine Differenz ermöglicht werden könnte, ohne dass zugleich subnationalen Abgrenzungstendenzen Vorschub geleistet würde. Eine starke Identifizierung der Personen mit Migrationshintergrund mit der deutschen Gesellschaft, ihren Werten und ihrer Geschichte erscheint uns notwendig, um eine Grundlage dafür zu schaffen, dass wir auf der Basis gemeinsamer Werte über Religionsgrenzen hinweg, zusammenfinden können.
 
Wir verstehen Integration als keinen zeitlich begrenzten Weg, sondern als eine Frage von Selbstdefinition und individueller Entscheidung, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit überkommenen eigenen nationalen und religiösen Geschichts- und Identitätsbildern beruht. Diese kritische Selbstreflexion der Menschen mit Migrationshintergrund sollte eingefordert und politisch ermöglicht werden dürfen. Sie bedarf eines politischen
Rahmens, der nicht bloß eine singuläre Erinnerung zulässt, sondern plurale Erinnerungen ermöglicht und somit Raum für eine kritische Selbstreflexion schafft.
 
Eine Identifizierung mit der Gesellschaft und der politischen Ordnung der Bundesrepublik könnte so auf diese Weise in hohen Maße erreicht werden. Wir können diesen Prozeß auch als Assimilation in die Grundwerte der deutschen Republik bezeichnen, die unerlässlich erscheint für eine erfolgreiche Integration und ein friedliches Zusammenleben.

Bei der Integrationspolitik kommt es nach unserer Auffassung zudem auf einen Perspektivwechsel an: Weg von subnationalen Identitätskonzeptionen hin zu solchen Konzeptionen, in denen eine Differenz zwar zugelassen und bewahrt werden kann, die aber dennoch eine vollständige Identifikation mit der Gesellschaftsordnung, dem Wertesystem und der Geschichte der Bundesrepublik ermöglicht. Um die Ausbildung von Identitätsangeboten zu fördern und Alternativen zu den derzeitigen subnationalen Konzeptionen zu bieten, ist es wichtig, die Partner in der Integrationspolitik zu wechseln. Statt den nationalen Interessen der Herkunftsländer soll der Vielfalt und Vielgestaltigkeit der Migranten in Deutschland
Raum gegeben werden.
 
Dieser Perspektivwechsel bedeutet auch eine Neugewichtung in der schulischen und medienpolitischen Grundlegung der Integrationspolitik, die insbesondere auf eine Selbstdefinition der Migranten aus ihrer Gegenwart in der Bundesrepublik und auf eine Eindämmung und Zurückdrängung des Einflusses der Herkunftsländer auf die Identitätsbilder der Migrantengemeinschaften hinarbeiten sollte.
 
Die bisherigen Repräsentanten der verschiedenen Migrantenorganisationen scheinen mit dieser neuen Aufgabe überfordert zu sein. Für die dritte und vierte Generation bedarf es grundsätzlich anderer und jüngerer Identifikationsfiguren, es bedarf Personen mit Migrationshintergrund und konzeptionellen Ideen für die Migrationssituation, die mit einem neueren Verständnis von Integration einen Weg in das Leben der
Bundesrepublik ebnen.
 
Ein Christlich-Alevitischer Freundeskreis soll für diesen Weg, diese Werte und jenen Perspektivenwechsel einstehen. Der Christlich-Alevitische Freundeskreis soll Brücken zwischen den christlichen, alevitischen Gemeinschaften und der CDU schlagen und aufzeigen, dass Menschen aus verschiedenen Gemeinschaften, mit unterschiedlichen Traditionen, aber gemeinsamen Werten, zusammenfinden, gemeinsam leben und Politik gestalten können.

Der Christlich-Alevitische Freundeskreis interpretiert Partizipation nicht nur als Teilhabe am politischen System, sondern auch als Übernahme von Verantwortung für unsere Werte, unser Land und unsere Geschichte. Wir wollen ein Ort der „Emanzipierten“ sein, neue Lebensentwürfe anbieten und eine Emanzipation von der Herkunftsgemeinschaft fordern.

Der Christlich-Alevitische Freundeskreis der CDU (CAF) soll ein Kristallisationskern sein für Christen und Aleviten, die heute gesellschaftlich in ihrer neuen Heimat Deutschland „angekommen" sind, bei denen die „Fremde“ zur Heimat geworden ist und die anderen helfen möchte, das diese Fremde auch für sie zur Heimat wird. 

Der CAF bietet eine Plattform der Begegnung für Aleviten und Christen, die sich im Menschenbild der CDU wiederfinden.
 
 
Köln, 22. Februar 2009

(redaktionelle Überarbeitung: 12. Mai 2011)
News-Ticker
Presseschau
 
   
0.44 sec. | 160 Visits