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Presse
20.12.2010, 14:50 Uhr | Übersicht | Drucken
Pressemitteilung 20.12.10
Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschlands in Istanbul verhaftet / Übergriffe der Grauen Wölfe auf Aleviten


Türkei: Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland vorübergehend in Istanbul festgenommen / Gewalttätige Übergriffe auf Aleviten durch Graue Wölfe während einer Gedenkfeier



Der Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland, Turgut Öker, ist am Abend des 17.12. in Istanbul festgenommen worden. Herr Öker befand sich auf der Durchreise nach Maras/Türkei, um an den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich der Pogrome an Aleviten im Jahre 1978 durch rechtsextreme Türken teilzunehmen.

Während des Gedenkens an die alevitischen Opfer der Maras-Massaker 1978 kam es gestern am 19. Dezember zu gewalttätigen Übergriffen durch türkische Rechtsextremisten -  den  „Graue Wölfe“ - auf Aleviten. Hunderte gewaltbereite Mitglieder der rechtsextremen MHP (Nationalistische Volkspartei) und BBP (Große Einheitspartei) hatten zur Gegendemonstration aufgerufen und ihre Jugendorganisationen mobilisiert.

Madlen Vartian, Sprecherin CAF: „Die Türkei hat die Aleviten - wie so oft in ihrer Geschichte - zur Zielscheibe erklärt. Die Festnahme von Turgut Öker sollte einen Einschüchterungseffekt bei den Aleviten in der Türkei und Deutschland erzielen. Erinnerung und Gedenken an Verfolgung und Vernichtung gelten in der Türkei als staatsbedrohend und sind faktisch kriminalisiert. Übergriffe rechtsextremistischer Türken – hier der Grauen Wölfe - auf Aleviten während einer Gedenkveranstaltung sind symptomatisch. Wenn wir aus der Geschichte nichts lernen, wird sie sich immer wiederholen.“

In der Bundesrepublik sind die Grauen Wölfe in drei Dachverbänden organisiert und werden vom Verfassungsschutz der Länder beobachtet. In den Berichten des Verfassungsschutzes wird die aktive und intensive Jugendarbeit der Grauen Wölfe in Deutschland betont.

Ali Yildiz, Sprecher CAF: „Die deutsche Politik muss sich mit dem Thema „türkischer Rechtsextremismus“ und „Graue Wölfe“ auseinandersetzen und diese Ideologie innerhalb der türkischen Gemeinschaft thematisieren. Feinbilder und eine größere Bereitschaft zur Gewalt innerhalb der nationalistischen türkischen Kreise nehmen auch in Deutschland immer weiter zu und stellen ein Sicherheits- und Integrationsproblem für das friedliche Zusammenleben dar. Die Christen- und Judenfeindlichkeit ist in diesen Kreisen besonders augenfällig.“

 
Gastzitat:

Serdar Akin, Bundesvorsitzender der Alevitischen Jugend Deutschlands: „In Deutschland haben wir Aleviten gelernt, wie wichtig es ist eine Kultur des Gedenkens und Erinnerns zu pflegen. Die kritische Auseinandersetzung mit nationalen Geschichts- und Identitätsbildern der Türkei muss auch an deutschen Schulen  stattfinden. Die Probleme des türkischen Nationalismus und der ‚Grauen Wölfen‘ ist längst in Deutschland angekommen. Sie sind nicht, wie oft behauptet, eine innertürkische Angelegenheit, sondern ein Problem der gesamtdeutschen Gesellschaft.“


Hintergrund zum Pogrom von Maras/Türkei 1978:

1978 kam es in der Stadt Maras/Türkei zu einem mehrtätigen Pogrom an der alevitischen Bevölkerung. Hunderte Menschen wurden systematisch ermordet, vergewaltigt und massakriert. Nach offiziellen Angaben wurden 552 Häuser und 289 Betriebe im Zuge der 5 Tage andauernden Pogroms in von Aleviten bewohnten Stadtteilen zerstört. Die Täter entstammten aus dem Kreis der „Grauen Wölfe“, einer paramilitärischen Einheiten der rechtsextremistischen Partei MHP. Die Hintergründe dieser politischen Morde wurden bis heute nicht hinreichend aufgeklärt. Die Verfahren wurden im Zuge der „Anti-Terror Gesetzte“ 1992 endgültig eingestellt.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland organisiert alljährlich mit ihren Schwesterorganisationen aus Europa und der Türkei Gedenkfeiern, um die Erinnerung an die Opfer der Massaker und Pogrome an Aleviten, die in der jüngeren türkischen Geschichte stattgefunden haben, zu gedenken.


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